Frankreichaustausch
Frankreichaustausch
Bienvenue en Allemagne: Der Schüleraustausch 2011
[10.01.2012] Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es ist, auf einmal 6 Tage mit einer völlig fremdenPerson zu verbringen? Mit ihm unter einem Dach zu wohnen, mit ihm das Essen zu teilen und in einer anderen Sprache mit ihm zu sprechen? Dies ist uns passiert.
In der Zeit vom 1. bis zum 7. Dezember gastierten eine Handvoll Franzosen mit zwei Lehrern in Duisburg. Ein Austausch mit der nord-französischen Stadt Calais.
Je näher die Ankunft unserer Gäste rückte, desto größer wurde die Spannung: Werden wir uns verstehen, werden wir Spaß miteinander haben, werden sich unsere Gäste bei uns wohl- fühlen? Als der Tag der Ankunft endlich gekommen war, mussten wir uns zunächst einmal in Geduld üben, da der Bus sich um zwei Stunden verspätete. So begrüßten wir die Franzosen gegen 14 Uhr an der Falkstraße, wo wir uns gleich in einen für uns gedeckten Raum mit Pizza niederließen. Die Franzosen gründeten die ersten Stunden einen Schweigeorden, denn an unserem Tisch herrschte pure Funkstille und so versuchte ich an einem Gespräch des Nebentischs teilzunehmen, die das genaue Gegenteil unseres waren. Dort wurde sich unterhalten, richtig unterhalten. Bei uns kamen nur zwei kleine „Wie geht’s“ heraus. Da hab ich mir langsam Gedanken über den Rest der Woche gemacht. Anschließend kamen unsere Eltern und wir fuhren mit dem Gepäck nach Hause. Ich zeigte ihm, wo er schläft und den Rest der Wohnung. Nun stand ein kleiner Spaziergang mit einem anderen Deutsch-französischem Pärchen an. Es ging zur Schauinslandreisen- Arena, wo wir Karten für das Spiel am Montag kaufen wollten (Duisburg- Düsseldorf). Vor dem Fernseher haben wir mit der Sendung „The Voice of Germany“ den ersten anstrengenden Tag abgeschlossen.
Am Freitag wurde es einfacher. Natürlich, in Sachen reden war zwar nicht viel los, doch bei uns standen Essen und das Bochumer Bergbaumuseum auf dem Programm und auf dem Weg konnten wir unsere ersten Eindrücke schon einmal austauschen. Das Bergbaumuseum war ein Aha-Erlebnis, und als wir auf dem größten Ausstellungsstück einen tollen Blick auf Bochum erhaschen konnten, waren wir ziemlich locker. Dabei hatten die französischen Freunde eine andere Führung als die Deutschen. Das lustigste Erlebnis war, dass wir (also 6 Deutsche) den Weg in das Gebäude nicht mehr fanden und so den strafrechtlich-unkorrekten Weg über ein kleines Toilettenfenster nehmen mussten. Dafür hat sich der Tag schon mal gelohnt, dachten wir. Doch in Essen sind der Spaß und die Harmonie zwischen uns und den Franzosen erst richtig angekommen. Wir lachten über alles, was passiert ist, obwohl nur ca.1/3 davon richtig komisch war. Alle tauten auf. Am Abend sahen drei Franzosen das erste Mal deutsches Jugendfußballtraining, da wir sie eingeladen haben, das von draußen einmal zu beobachten. Mein Trainer hielt die Franzosen dabei für Spione anderer Vereine. Viel glücklicher als gestern ließen wir den Tag ausklingen.
Nun war Wochenende und so haben wir mit den Franzosen das gemacht, was man am Wochenende normalerweise nicht macht. Wir sind in die Schule gegangen. Es war Tag der offenen Tür an unsere Schule und wir nutzen die Gelegenheit, unsere Schule im regnerischen Zustand zu präsentieren. Dabei gaben wir unserer Französischlehrerin ein kurzes Feedback der ersten beiden Tage. Später bewiesen die Franzosen, dass sie nicht immer Glücksbringer sind, denn wir verloren unser Spiel. Doch die Franzosen sind vor Spielende gegangen, um mit unseren Müttern ein bisschen auf dem „Marché Noël“ zu bummeln. Danach ist uns aufgefallen, dass es auch außerhalb Deutschlands Videospielsüchtige geben kann, denn keiner der beiden konnte sich von der PS3 lösen. Wir haben währenddessen eine Etage tiefer den letzten Auftritt von Thomas Gottschalk als Wetten dass… Moderator beigewohnt. Da war die Hälfte der Woche schon um.
Sonntag sollte ebenfalls ein ereignisreicher Tag werden. Inzwischen hatte sich mein Austauschpartner mit dem anderen Austauschpartner angefreundet. Wir schlenderten am Binnenhafen in Ruhrort entlang und diskutierten über alles und jeden. Anschließend machten wir uns auf den Weg in Richtung Eishalle, wo die Franzosen gnadenlos ihr Können auf dem Eis zeigten. An diesem Tag war fast jeder Franzose in der Halle, obwohl dies kein vorgegebener Treffpunkt war. Selbst ich hatte in der Eishalle Spaß, was bei mir keine Selbstverständlichkeit war. Am Abend waren die Franzosen richtig aufgedreht und konnten nicht mehr aufhören. So nach einer Stunde hat das schon ziemlich genervt. Aber im Prinzip war es ein guter Tag.
Montag hieß es auch für die Franzosen Unterricht in einer deutschen Schule. Nach der 5. Stunde sind wir in den Zoo gegangen. Dieser Besuch wurde hauptsächlich bestimmt durch die Worte: „Où est Leo“ (= Wo ist Leo), denn mein Austauschschüler rannte ständig weg. Am Abend waren die Franzosen an der Oststraße und haben Geschenke für ihre Eltern gekauft, bevor wir zum Spiel Duisburg- Düsseldorf gingen. Wieder waren sie keine Glücksbringer, doch ihnen hat es gut gefallen und mein Austauschpartner hat sich sogar einen MSV- Schal gekauft, worauf ich sehr stolz war.
Dienstag hießen unsere Ziele Köln und das Haus der Geschichte in Bonn. Zuerst besuchten wir den Kölner Dom, wo die Franzosen ordentlich auf ihre Fotoapparate gedrückt haben. Anschließend sind wir auf dem Kölner Weihnachtsmarkt spazieren gegangen und haben einen leckeren Crêpe gegessen. Lange hatten wir dort jedoch nicht Zeit, denn wir fuhren ja noch nach Bonn ins Haus der Geschichte, wo wir und die Franzosen einiges über die deutsche Geschichte lernten. Als wir gegen 18 Uhr den Duisburger Hauptbahnhof erreichten, waren die restlichen Fahrgäste vermutlich froh, uns los zu werden, da wir nicht gerade im Flüsterton gesprochen haben. Doch was sein muss, muss sein. Am Abend haben wir ein letztes Abschieds-Döneressen veranstaltet und uns geärgert, dass die Woche schon um war.
Mittwochmorgen hieß es dann Abschiednehmen. Einige Tränen sind sogar geflossen, weil es wirklich eine anstrengende, aber auch schöne Zeit war. Wir haben in der Woche unsere Wortschätze vergrößert, wie z.B. die weltbewegenden Vokabeln „Tu es fou“ (= Du bist verrückt) und „Bob l’éponge“ (= Spongebob). Im März machen wir uns dann auf den Weg nach Frankreich und gestalten den zweiten Teil des Austauschs. Wenn ihr Französisch habt, macht ihn mit. Es macht wirklich Spaß!
Text: Nils Vorholt